Verlinkung von Interviews aus Fernsehen und Radio

In Zeiten von Social-Media werden nicht nur unsere persönlichen Aussagen und Werturteile einem immer größeren Kreis bekannt, sondern steigt auch das Interesse, Medienberichte, Interviews, Videos (welcher journalistischer Qualität auch immer) etc. mit der jeweiligen Leser- bzw. Gefolgschaft oder seinem Freundeskreis „zu teilen“ und damit zu weiterzuverbreiten. In manchen Fällen ist auch die Versuchung naheliegend, eine persönliche Note anzubringen und etwas Bestehendes zu verändern und dann zu veröffentlichen.

Dabei gilt es – insbesondere im Hinblick auf das Urheberrecht an den jeweiligen „verlinkten Werken“ – gewisse Aspekte zu berücksichtigen:

Verlinken

Nach jüngster Rechtsprechung des EuGH und OGH (C-348/13, 4 Ob 249/15v) stellt das Verlinken bzw. die dynamische Einbettung fremder Inhalte auf der eigenen Seite keinen Eingriff in die ausschließlichen Veröffentlichungs- und Verwertungsrechte der jeweiligen Rechteinhaber (Urheber bzw. Leistungsschutzberechtigte bei Rundfunksendungen) dar, wenn keine öffentliche Wiedergabe erfolgt.

Eine solche neuerliche öffentliche Wiedergabe wird verneint, wenn kein anderes technisches Verfahren als bei der ursprünglichen Veröffentlichung verwendet wird (Abrufen im Internet) oder das Werk keinem neuen Publikum zugänglich gemacht wird.

Das Publikum ist dann „neu“, wenn der Rechteinhaber an dieses bei der ursprünglichen Veröffentlichung nicht gedacht hatte. Bei frei zugänglichen Inhalten ist davon auszugehen, dass der Rechteinhaber an alle Internetnutzer als Publikum gedacht hat. Dies betrifft sowohl Videos als auch Texte und Fotos, die dynamisch (=Anklicken der jeweiligen Datei bewirkt Zugriff auf die Ursprungsdatei auf fremder Website) eingebettet werden.

Bestehen keine zusätzlichen Hürden (z.B. PreRoll-Werbung oder Zugriff nur für Abonnenten) ist somit ein frei im Internet zugängliches Video über ein Interview durchaus weiter verlinkbar.

Allenfalls bestehen technische Schutzmaßnahmen, die einen Zugriff auf Videos, Bilder etc. von fremden Websites nicht tolerieren und somit nicht ermöglichen.

Wenn bei dem ursprünglichen Video beispielsweise eine PreRoll-Werbung vorhanden war, diese bei der Verlinkung allerdings nicht angezeigt wird und somit eine öffentliche Wiedergabe insofern vorliegt, als das Interview bzw. das Video dadurch einem „neuen Publikum“ zugänglich gemacht wird, liegt eine Urheberrechtsverletzung vor.

Damit ist das bloße Teilen eines Links auf Facebook, wenn dieser einen Inhalt betrifft, der im „Original“ ohne weitere Hürden abrufbar ist, unproblematisch.

Bearbeiten

Das Verändern oder Bearbeiten eines so übernommenen Werkes bzw. einer so übernommenen Rundfunksendung (woran zwar keine Urheber- aber Leistungsschutzrechte bestehen) ist – für beide Anwendungsfälle – ebenfalls durch das Urheberrecht geregelt. Insbesondere in § 14 Abs 2 UrhG ist das Bearbeitungs- und Übersetzungsrecht zwar nicht ausschließlich dem Urheber der ursprünglichen Werkes vorbehalten, allerdings darf der Bearbeiter dieses nur verwerten, soweit ihm der Urheber des bearbeiteten Werkes das ausschließliche Recht oder die Bewilligung dazu erteilt hat.

Da das Verwerten auch das Vervielfältigen, Verbreiten sowie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen beinhaltet, ist somit eine Bearbeitung für den Privatgebrauch durchaus unproblematisch. Sobald allerdings die entsprechende Bearbeitung – ohne zugrundeliegende Zustimmung des Rechteinhabers bezüglich des ursprünglichen Werks – verbreitet wird, kann der Urheber des bearbeiteten Werkes dies untersagen.